TÜV und Andere

Zur Plakette, die die Hauptuntersuchung bescheinigt, gelangen Autofahrer nicht nur auf verschiedenen Wegen, sondern auch zu sehr unterschiedlichen Preisen. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei 20 Werkstätten und Prüforganisationen. Wer Preise vergleicht, kann fast die Hälfte der Gebühren sparen.

Seit Anfang 2010 ist Schluss mit dem Abgas-Aufkleber (AU) auf dem vorderen Nummernschild. Seitdem gibt’s für die Hauptuntersuchung nur noch einen hinten drauf. Und der bescheinigt den Ausstoß gleich mit. Die gültige “TÜV-Plakette” am hinteren Nummernschild ist Pflicht: Sie soll belegen, dass weder eine gefährliche Rostlaube noch ein übler Stinker unterwegs ist. Wo man sich das amtliche Siegel für die Haupt- und Abgasuntersuchung besorgt, ist jedem freigestellt. Denn die Prüfer von TÜV, Dekra oder GTÜ (Gesellschaft für technische Überwachung) sind in Kfz-Werkstätten genau so unterwegs wie beim Vertragshändler. Die Verbraucherzentrale NRW hat bei 20 Prüfstellen in Köln und Dortmund nachgefragt. Das Ergebnis: Wer Preise vergleicht, kann fast die Hälfte der Gebühren sparen.

Spanne reicht von 69 bis 125 Euro
Das erste Testfahrzeug: Ein VW Golf IV mit Dieselmotor, Baujahr 2003. Hier schnitten die Pit-Stop-Filialen am günstigsten ab. Sie verlangten für die Plakette pauschal 69 Euro – Autotyp hin oder her. Voraussetzung für den Spitzenpreis ist allerdings eine Anmeldung per Internet. Wer einfach direkt vor fährt, muss zehn Euro mehr blechen. Dagegen kassierte das Gros der Konkurrenten zwischen knapp 90 und gut 100 Euro. Die zahlte auch, wer direkt zum TÜV, zur Dekra oder zur GTÜ fährt. Am kräftigsten langte eine freie Werkstatt in Köln zu: Fast 125 Euro gedachte der Meister für den Autocheck zu kassieren. Der Preisvergleich lohnte auch innerhalb von Bosch-Filialen. War der Bosch-Service in Dortmund eine Adresse für Sparfüchse (75 Euro), forderte ein Bosch-Partner in Köln 26 Euro mehr.

Generell etwas günstiger kam der zweite Testwagen an die Plakette: ein Dreier BMW mit Benzinmotor, Baujahr 2009. Hier lag Pit Stop mit 69 Euro (Internetanmeldung) wieder auf dem ersten Platz. Bei jüngeren Automodellen lohnt sich aber auch die Fahrt zur Prüfstelle. Denn bei vielen Fahrzeugen ab Baujahr 2006 überwacht der Bordcomputer den Schadstoff-Ausstoß für die Prüfer; das zeitintensive Messen entfällt. Der TÜV Rheinland in Köln belässt es dann bei 69,95 Euro. Bei den Vertragshändlern dagegen führte die Zeit- und Arbeitsersparnis durch den Bordcomputer meist nicht zu Niedrigpreisen. Zwischen knapp 100 und in der Spitze fast 125 Euro waren zu blechen. Die Begründung lieferte eine Mitarbeiterin: “Die Dekra kommt extra ins Haus.”

Wer den Tarifdschungel auf dem Weg zur neuen Plakette durchdrungen hat, der muss noch den passenden Termin finden. Pit Stop hält sein 69-Euro-Webschnäppchen beispielsweise nur, wenn der Werkstattbesuch mindestens drei Tage vorher zugesagt wird. Ist der Kunde offline oder hat er es besonders eilig, wird´s teurer. Auch Vertragshändler und freie Werkstätten bestanden oftmals auf einen festen Termin. Vielerorts nämlich kommt der Prüfer nur ein- bis zweimal die Woche vorbei. Bei anderen Betrieben ist die Frequenz höher: Auf am Morgen abgestellten Autos pappt hier am Spätnachmittag die TÜV-Plakette – oder eben auch nicht.

Quelle:VBZ NRW